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Junge Freiheit, Ausgabe vom 30.07.1999, S. 31-32

Neomarxismus und Philosophie - Marcuse als Ersatzvater für die Kinder der Revolution.
Vor 20 Jahren starb mit Herbert Marcuse der Utopist der Neuen Linken

von Werner Olles

"Aber ich glaube, dass es für unter drückte und überwältigte Minderheiten ein Naturrecht auf Widerstand gibt, außergesetzliche Mittel anzuwenden, sobald die gesetzlichen sich als unzulänglich herausgestellt haben. Gesetz und Ordnung sind überall und immer Gesetz und Ordnung derjenigen, welche die etablierte Hierarchie schützen; es ist unsinnig, an die absolute Autorität dieses Gesetzes und dieser Ordnung denen gegenüber zu appellieren, die unter ihr leiden und gegen sie kämpfen � nicht für persönlichen Vorteil und aus persönlicher Rache, sondern weil sie Menschen sein wollen. Es gibt keinen anderen Richter über ihnen außer den eingesetzten Behörden, der Polizei und ihrem eigenen Gewissen. Wenn sie Gewalt anwenden, beginnen sie keine neue Kette von Gewalttaten, sondern zerbrechen die etablierte. Da man sie schlagen wird, kennen sie das Risiko, und wenn sie gewillt sind, es auf sich zu nehmen, hat kein Dritter, und am allerwenigsten der Erzieher und Intellektuelle, das Recht, ihnen Enthaltsamkeit zu predigen." (Herbert Marcuse)

"Was von Herbert Marcuse bleiben wird, ist vor allem seine Entlarvung der viel gerühmten technologischen Rationalität als Ausdruck von Willkür und einer manifesten Tendenz zum Totalitarismus. Seine These, "die Technologie liefere die große Rationalisierung für die Unfreiheit des Menschen" hat bis heute nichts von ihrer Aktualität und Realität verloren und steht so exemplarisch für das Leben und Denken eines Philosophen, der die Krise der menschlichen Existenz immer auch als Krise der Philosophie verstand. Seine kritische Idee der "eindimensionalen Gesellschaft", jener Scheinfreiheit, die philosophisch überfrachtet in der "skeptischen Sintflut" zu ertrinken droht, führte kategorische Missdeutungen ins Feld, an denen gerade die modernen Massengesellschaften immer noch und immer mehr leiden." (Werner Olles)

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